Entwurf “The Cloud” für St. Maria, Spiegelkugel, Stuttgart, 2025

Der Entwurf „Spiegelkugel“ sieht eine schwebende, mit Spiegelplättchen belegte, große Kugel in der Vierung der Kirche St. Maria vor.

Die Wolke

Die Wolke als Kugel - als perfekte Form - maximal verdichtet, gebündelt und konzentriert - in absoluter Ruhe und Ausgewogenheit schwebend. Die einzelnen Spiegelplättchen lassen die Assoziation zu Wassertropfen oder Eiskristallen zu, die sich zu einem großen Gebilde zusammen schließen - einer Kugelwolke. Jedes Plättchen hat seinen Platz auf der Kugel. Das durch die Kugelform die Interpretation der Weltkugel oder auch anderen Planeten nahe liegt, ist bewusst gewählt. Denn so wie jedes kleine Plättchen seinen Raum auf der Kugel und für das große Ganze Bedeutung hat, so sollte auch alles Leben seinen Platz auf der Welt haben - in Ruhe und Harmonie.

Das Göttliche - Spiegelung, Licht und Reflexionen

Spürbar, aber nicht sichtbar - nicht greifbar und doch präsent und allgegenwärtig - manchmal ganz nah, dann wieder fern… Die Darstellung des Göttlichen als etwas sowohl Flüchtiges wie auch Klares und Schönes, wie Licht es ist. Symbolisiert durch die im Raum umherwandernden Reflexionen und Lichtpunkte, die ihren Ursprung in der im Zentrum schwebenden Spiegelkugel haben. Jedes einzelne Plättchen spiegelt einen anderen Teil der Umgebung und kleine Lichtpunkte werden in den gesamten Raum der Vierung reflektiert. Das Göttliche, das vom Zentrum in den Raum strahlt, jeden treffen kann und jeder Teil davon ist, denn Jeder wird in der Kugel widergespiegelt. Manchmal ist das Lichtspiel ganz deutlich sichtbar, dann auch wieder kaum wahrnehmbar - je nach Helligkeit und Lichteinfall in den Kirchenraum. Das Zentrum und der Ursprung des Göttlichen, die Kugel, ist jedoch immer präsent. Durch gezielte Beleuchtung kann dieser Effekt bewusst eingesetzt werden. Die Umgebung wird Teil der Kugel und die Kugel durch die Reflexionen und Lichtpunkte Teil der Umgebung - Kugel und Umgebung verschmelzen scheinbar. Die Kugel löst sich auf und wird zu einem flüchtigen Gebilde. Das Spiel zwischen Materie und Geist wird auf diese Weise sichtbar - die Kugel als feste Materie und die Lichtpunkte, die sich im gesamten Kirchenraum an den Wänden abzeichnen, symbolisieren die geistige Ebene. Das Wechselspiel von (Auf-) Nehmen und (Ab-) Geben, Empfangen und Senden, was die künstlerische Arbeit so belebt, ist auch ein zentrales Thema des christlichen Glaubens.

“Maria als…”

Das Projekt „Maria als…“ wird im Entwurf ebenso aufgegriffen. So soll sich auch mit der Spiegelkugel die Kirche St. Maria in den Stadtraum hin öffnen und Verknüpfungen zwischen dem Weltlichem und dem Geistlichen schaffen. Natürlich liegt die Assoziation zu einer Diskokugel sehr nahe. Auch dies ist ganz bewusst gewählt. Der Kirchenraum als Raum für Feste und Feierlichkeiten - weltlichem, wie auch geistlichem Ursprung. Genauso ist er aber auch ein Raum für Gottesdienste, Andacht, Ruhe und Meditation. All dies vereint sich in der gleichsam in sich ruhenden, wie auch nach außen strahlenden Spiegelkugel.

Kugel - Kirchenraum

Die Spiegelkugel bildet das einzige Kugelelement im sonst schlichten und klaren Kirchenraum. Dies hebt sie auf natürliche Weise hervor. Durch ihre einfache und reduzierte Form bildet sie einen Gegenpol zur historischen Architektur. Die Position der Kugel soll genau im Schnittpunkt der beiden Kirchenschiffe sein - im Zentrum der Vierung. Die zweidimensionale Ansicht als Kreis greift sowohl die Form der Fensterrose über dem Eingang auf, wie auch die der Hostie, dem Leib Christi. Die natürlichen Farben des Kirchenraums werden durch die Spiegelung in der Kugel aufgenommen - dadurch fügt sie sich völlig harmonisch darin ein.

Herstellung - Material

Die Kugel soll einen Durchmesser von etwa 2 m haben. Der Grundkörper der Kugel besteht aus dem leichten und dennoch robusten Material Acryl, sodass eine scheinbar schwerelose Hängung in der Apsis möglich ist. Belegt wird die Kugel mit quadratischen Spiegelplättchen aus Glas. Durch das Material Glas wird auch ein direkter Bezug zu den großen Kirchenfenstern hergestellt, die den Altarraum betonen und eine Achse zwischen ihnen und der gegenüberliegenden Fensterrose entsteht.